Wetter in Ravenstein
17 °C
meist bewölkt
Wind NO 11 km/h

Gasthaus zum Ochsen u. Brauerei in Ballenberg

Aus der Geschichte


"Plopp! Flasche auf" Wer kennt das noch? Bis Weihnachten 1999 wurde bei der Familienbrauerei Spall noch in Flaschen mit dem Bügelverschluss abgefüllt. Jetzt gibt es "Spall-Bier" nur noch aus dem Fass - aber immerhin.
 
Im Jahre 1883 hatte Albert Anton Spall, der Urgroßvater des heutigen Besitzers, das Gasthaus erworben. Noch im Jahre des Erwerbs richtete Albert Anton Spall hinter dem Haus eine kleine Brauerei ein. Albert Anton Spall war Brauer und Küfer. Er stellte die Fässer, die zum Lagern und zum Transport des von ihm gebrauten Bieres benötigt wurden, selbst her. Daneben war er auch noch Metzger und Posthalter.

 

Nachdem Albert Anton Spall 1887 das Anwesen Faubel gekauft hatte, um seine Hofreite zu vergrößern, gelang es ihm in den folgenden Jahren, hinter dem Anwesen und jenseits des Hasselbaches am „Kappelberg“ weiteres Gelände zu erwerben. Aus diesem Grund wurde 1912 eine neue Brauerei errichtet. In den Kappelberg wurden tiefe Felsenkeller zur Lagerung und Kühlung des „Spall-Bieres“ Bitte hier text einfügengesprengt. Über diesen heute noch verwendeten Felsenkellern waren früher die Eiskeller eingerichtet, in denen Natureis gelagert wurde. Das Natureis wurde im Winter aus den Eisweihern gehackt oder aus Eisböcken hergestellt. 1931 hatte der Sohn Otto Spall das Gasthaus und die Brauerei übernommen. Ihm folgte 1949 sein Sohn Albert Spall und seit 1.9.2004 wiederum dessen Sohn Jürgen Spall, der heutige Besitzer. Albert Spall erweiterte und modernisierte die Brauereieinrichtung Mitte der siebziger Jahre. Albert und Otto Spall brauten hauptsächlich Biersorten wie Spezial, Export und Bock. Sie lieferten ihre Brauereierzeugnisse in Holzfässern mit Pferdefuhrwerken an viele Gasthäuser in der näheren und weiteren Umgebung. In den zwanziger Jahren wurde für den Transport ein Lkw mit Vollgummireifen angeschafft. Heute werden nur noch wenige Gasthäuser mit Spall-Bier beliefert. Der Schwerpunkt des Absatzes liegt im Heimdienst, der den Kunden Bier und seit einigen Jahren auch alkoholfreie Getränke per Lkw ins Haus liefert. Auch verschiedene Wiederverkäufer werden beliefert. Ein Großteil des Absatzes erfolgt im „Ochsen“, der Brauereigaststätte. Eine bedeutende Rolle im Absatzprogramm spielt daneben die Belieferung von Festlichkeiten. Albert Spall, der diesen wichtigen Absatzmarkt rechtzeitig erkannte, hatte deshalb nach dem Krieg sogar ein Festzelt angeschafft.

Bei einem Rückblick auf die Geschichte der Familie Spall lässt sich feststellen: Vieles hat sich in der Bierbrauerei geändert. Früher wurde das Bier in Holzfässern gelagert und ausgeliefert. Allenfalls Flaschen mit Bürgelverschluß wurden verwendet. Heute erfolgen Lagerung und Transport in Metalltanks, Metallfässern und Flaschen mit Kronkorken. Große Veränderung gab es auch in der für das Bier so wichtigen Kühlung. Bei Spalls in Ballenberg weiß man den richtigen Werdegang des Biers noch zu schätzen. Aus richtigem Naturhopfen wird das schäumende Lieblingsgetränk der Deutschen hier hergestellt. Ganz nach dem Motto "Hopfen und Malz - Gott erhalt's" versucht man, das Geschäft mit dem "Naturbier" aufrecht zu erhalten. Unverändert blieben die Bestandteile, aus denen Bier hergestellt wird. Wie zu Zeiten des ersten bayrischen Reinheitsgebotes vom Jahre 1516 werden auch heute in Deutschland bei der Bierherstellung nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet. Das ist nicht ganz so einfach, da die Herstellungsweise der Familie Spall wesentlich teurer ist als andere, moderne Methoden.

 

In der Brauerei, die aussieht wie eine riesige Scheune befindet sich alles, was man braucht, um Bier zu brauen. Im obersten Stockwerk ist das Malzlager und eine Schrotmühle. Das hier gelagerte und gemahlene Malz wird als Schrot durch einen Trichter zusammen mit temperiertem Wasser in einen "Maischbottich" gegeben und angerührt. Von dort aus kommt die "Bierwürze", oder auch "Maische" in die mit Kohle betriebene "Maischpfanne". Die Maische wird mit sogenannten Hopfendolden, also dem Naturhopfen, zusammengeschüttet und gebraut.

Die Brauerei Spall verwendet nur Spalter oder Hallertaler Hopfen. Von der Maischpfanne aus geht es weiter in den Kupferbottich. Danach läuft die Flüssigkeit über die Rohre des Kühlers. Gekühlt kommt das potentielle Bier in den "Hopfenseiher", von wo aus es in den "Ausschlagbottich" fließt. Hier wird die Bierwürze von der Flüssigkeit abgepumpt. Aus dem Ausschlagbottich kommt die Flüssigkeit in den "Anstellbottich". Dieser steht in einem gekühlten Raum von etwa sieben Grad. Durch Kühlmaschinen und eine Chlor-Calzium-Kühlsohle, die bis zu minus zehn Grad erreichen kann, wird das „Bier“ kalt gehalten. Dort bleibt es bis zum nächsten Morgen, wenn es in den Gärkeller kommt. Hier findet die Hauptgärung innerhalb von acht bis zehn Tagen bei etwa sieben Grad statt. Nach dieser Zeitspanne kommt das Bier in den drei oder vier Grad Lagerkeller, wo es zwei oder drei Monate gelagert werden kann.

Früher war dieser Lagerkeller mit etwa einem Grad Temperatur der Eiskeller. Auch Eis von eigenen Eisweihern wurde hier für den Brauvorgang im Frühjahr aufbewahrt. Heute kann man, dank der Kühlmaschinen, immer bei Bedarf brauen.

 

Zur Zeit arbeiten drei Leute hauptberuflich in der Brauerei. Jeder macht hier alles: Getränke ausfahren oder abfüllen. Trotzdem muss der Familienbetrieb auf vieles verzichten. So kann das Bier nur in Fässern aufbewahrt werden, Flaschen sind zu teuer. Das letzte Flaschenbier hat es deshalb an Weihnachten 1999 gegeben. Früher war das anders.