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Ballenberg

Stadtrechtsverleihung im Jahr 1306

 

Wappen BallenbergAls Ballenberg auf Bitten des in Krautheim residierenden Grafen Boppo I. von Eberstein von König Albrecht I. am 12. Juni 1306 das Stadtrecht verliehen wurde, da waren es noch nicht einmal 100 Jahre her, seit der Name erstmals in den Urkunden erschienen war: 1212 mit der Nennung des Ritters Conradus de Ballenburg und gar erst 1228 mit der Nennung der Ballenburg selbst. Sicher ist Ballenberg viel älter, wie z.B. die Hügelgräber auf seiner Gemarkung beweisen, aber die schriftlichen Urkunden fehlen. Eine Deutung des Ortsnamens lässt sogar eine vorchristliche Entstehung annehmen. Ebenso wird eine heidnische Fliehburg am Platz des heutigen Ballenberg vermutet. Eine sehr interessante Erwähnung aus dem Jahre 1234 geht auf eine Familientragödie im Kaiserhaus der Staufer zurück. Kaiser Friedrich II. hatte 1220 seinen 11jährigen Sohn Heinrich zum deutschen König wählen lassen. 1222 gekrönt, stand der junge Herrscher zunächst unter der Vormundschaft des Erzbischofs Engelbert. Etwa ab 1230 regierte Heinrich selbst. 1234 erhob er sich gegen seinen kaiserlichen Vater. Da die Ballenburg treu zum Kaiser hielt, wurde sie von Heinrich belagert. Während der Belagerung stellte Heinrich 1234 „in campo apud Ballenburg“ (im Feldlager bei Ballenberg) eine Urkunde aus, die heute noch vorhanden ist und Rückschlüsse auf die damalige Bedeutung der Ballenburg zulässt.Ortsansicht Ballenberg

1359/61 verkauften die Ebersteiner, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts ausstarben, „vest und stadt“ Ballenberg für 1220 Gulden an Erzbischof Gerlach von Mainz. Nachdem 1394 Würzburg seine Rechte in Ballenberg zum Dank für im „Zehnstädtekrieg“ geleistete Hilfe ebenfalls an Mainz abgetreten hatte, war das geistliche Kurfürstentum Mainz alleiniger Herrscher in Ballenberg.

Ballenberg, das in der Folge immer wieder von Mainz verpfändet wurde, blieb ein kleines Landstädtchen. Lediglich durch sein Zentgericht und den Markt wurde es über die Orte der Umgebung erhoben. Auch waren die Bürger keine Leibeigenen. Die eingehenden Abgaben durften bis auf sechs Gulden, die jährlich an die Kellerei in Krautheim abzuliefern waren, für städtische Zwecke verwendet werden.

 

Zusammenstoß mit Götz von Berlichingen

Von 1503 an wurde Ballenberg nicht mehr verpfändet. Von da an war es immer ein mainzischer Beamter, der in der Stadt das Sagen hatte. Ab 1598 hatte der Vertreter des Landesherren seinen Sitz im heutigen Haus „Falkenberger“, einem schönen, aber dringend renovierungsbedürftigen Fachwerkhaus in der Nähe der Kirche. Um diese Zeit, nämlich 1595, wurde auch das Rathaus in der Stadtstraße erbaut, der ursprünglich einzigen Straße zwischen den zwei Stadttoren. Anfangs des 16. Jahrhunderts hatte Ballenberg einen Zusammenstoß mit Ritter Götz von Berlichingen. In derselben Nacht, in der Ritter Götz den Mainzer Amtmann zu schönem altdeutschem Tun einlud, legte Götz, um Mainz zu treffen, mit dem er eine Fehde ausfocht, in den mainzischen Orten Ballenberg und Oberndorf Feuer.

 

Unheilvoller Bauernkrieg

1525 machte Ballenberg wieder von sich reden als Wohnsitz des Bauernrebellen Georg Metzler. Der Ballenberger Ochsenwird, der viel zum Ausbruch der Unruhen in unserem Bauland beitrug, war vom 26. März bis zur Schlacht auf dem Turmberg bei Königshofen am 2. Juni Anführer des „hellen Haufens Odenwalds und Neckartals“. Während der Königshofener Schlacht floh er und war fortan verschollen. Ballenberg, das als erste Stadt des „Neunstädtebundes“ gemeinsame Sache mit den Bauern gemacht hatte, wurde hart bestraft. Neun Bürger wurden gerädert. Metzlers „Ochsen“ wurde abgebrochen und außerhalb der Stadt verbrannt. Die Stadt wurde geplündert und musste eine hohe Strafe bezahlen. Der größte Teil des Stadtwaldes wurde zugunsten des Kurfürstentums enteignet. Ballenberg verlor seine ohnedies geringe Selbstverwaltung vollends. Sogar die Stadtschlüssel mussten jeden Morgen beim Amtmann abgeholt und abends wieder abgeliefert werden. Die Leibeigenschaft wurde wieder eingeführt und erst 1660 endgültig abgeschafft. Das am 19. Januar 1528 von Erzbischof Albrecht neu verliehene Stadtrecht machte Ballenberg als Stadt bedeutungslos. 1528 wurde übrigens auch die Ballenberger Burg letztmals erwähnt. Auch das schon seit 1503 bekannte Stadtwappen, im roten Schild das silberne Mainzer Rad, weist auf enge Abhängigkeit von Mainz hin.

Im Dreißigjährigen Krieg war Ballenberg von 1631 bis 1634 von den Schweden besetzt. Außerdem wurde es von Pest und Hunger heimgesucht wie alle Orte des Baulandes.

 

Zentgericht verloren

Bis 1803 verblieb Ballenberg beim geistlichen Kurfürstentum Mainz. Dann fiel es im Zuge der Säkularisation und der Mediatisierung 1803 an das Fürstentum Salm-Krautheim der Fürsten von Salm-Reifferscheid-Bedburg und 1806 an Baden. Zugleich verlor das Städtlein sein Zentgericht. Um diese Zeit fand auch die letzte Hinrichtung statt. Delinquent soll eine Hebamme gewesen sein, die aus erpresserischen Gründen Neugeborene durch Stiche in die Fontanelle tötete. Sie wurde zur Strafe erdrosselt. Die Hinrichtung fand nicht mehr am alten „Galgen“, sondern auf dem Rabenstein statt, der heute der Festplatz ist.

 

In der Nazizeit Stadttitel verloren

In der Hitlerzeit verlor Ballenberg seinen Stadttitel. 1956 wurde mit einem großen Heimatfest die Wiederverleihung gefeiert. Große Verdienste um die Wiederverleihung des Stadttitels erwarb sich der damalige Bürgermeister Josef Schulz. 1971 schloß sich Ballenberg im Zuge der Gemeindereform mit fünf Nachbarorten zur Gemeinde Ravenstein zusammen. Im Hinblick auf die geschichtliche Vergangenheit von Ballenberg wurde 1974 der Stadttitel auf Ravenstein übertragen, das seinen Namen vom ehemaligen „Rabenstein“ hat.